Jahresgabe

Fall

Rebekka Benzenberg

Pelz: Schon vormenschliche Hominiden trugen ihn, und er gilt seit Menschengedenken als Statussymbol. Während die Pelztierzucht im 19. Jahrhundert einen Boom erlebte, hat die Tierrechtsbewegung inzwischen bewirkt, dass viele Bekleidungshersteller*innen gänzlich auf die Verwendung von Pelzen verzichten. Eingefroren in durchsichtiges Polyesterharz muten Rebekka Benzenbergs Pelzquadrate wie mit einem einst gefeierten, heute veralteten Material gefüllte Zeitkapseln an. Benzenberg rettet ihre Pelze von Flohmärkten oder aus den Schränken von Freund*innen, um das Innenfutter anschließend zu entfernen und die Pelze vor dem Gießen zu bleichen. Die einfache chemische Geste des Bleichens lässt an Schönheitsprodukte oder gar die Industrialisierung der weiblichen Schönheit denken. Etwas ambivalenter verweist es darüber hinaus auf Benzenbergs eigene Position als weiße europäische Künstlerin, die alte andernorts hergestellte Luxusgüter dem Prozess des Upcyclings unterzieht. Unterdessen zeugen die zahlreichen Stiche, Stempel und Notizen der Näherinnen auf den exponierten Rückseiten der Pelzkacheln von den unzähligen – oft von Frauen der „Dritten Welt“ geleisteten – Arbeitsstunden, die notwendig sind, um den Look einer unbeschwerten Eleganz zu erzeugen. 

Stanton Taylor